QUERBLICK

Albaniens digitale Ministerin als Vorbild für Deutschland

KI in der Politik? Dann vielleicht gleich ein KI-Minister?

von Ekaterina Quehl | Juni 16, 2026 | Glosse, Künstliche Intelligenz

"Wenn künstliche Intelligenz längst politische Texte formuliert, sollte sie auch politische Verantwortung übernehmen. Albanien hat den Praxistest schon gewagt. Ein satirisches Gedankenexperiment.

 


Weil nach peinlicher KI-Panne des Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt ernsthaft diskutiert wird, wie selbstverständlich künstliche Intelligenz inzwischen zur politischen Arbeit gehöre, möchte ich die Debatte konstruktiv bereichern. Mario Voigt soll für seine Reden und Gastbeiträge KI eingesetzt haben, unter anderem in seiner Rede zur Befreiung von Auschwitz. Auch Bundesdigitalminister Karsten Wildberger soll künstliche Intelligenz als „Formulierungshilfe bei Reden und Gastbeiträgen“ eingesetzt haben. Nun diskutiert unser Land darüber, ob der Einsatz von KI zum politischen Alltag gehören soll.

Persönlich finde ich, dass wir den Gedanken konsequent zu Ende denken und gleich einen KI-Minister ernennen sollten – so wie es Albanien bereits letztes Jahr gemacht hat. Diella, auf Deutsch Sonnenschein, wurde von Albaniens Premierminister Edi Rama zur ersten KI-Ministerin zur Bekämpfung von Korruption bei öffentlichen Vergaben ernannt. Als ehrliche Dienerin des Volkes solle sie „möglichst keinen egoistischen Vorteil aus dem Amt ziehen, nicht korrupt sein und natürlich klug.“

Zwar war ihre Karriere beeindruckend kurz, weil sie schon in wenigen Monaten selbst unter Korruptionsverdacht geraten ist, aber das macht nichts. Deutschland könnte aus Albaniens Fehlern lernen und ihren KI-Minister konsequent fehlerfrei einsetzen.

Als erstes schlage ich vor – um keine der 72 Geschlechter zu diskriminieren –, dass der deutsche KI-Minister nonbinär erscheinen sollte. Weiter könnten sich seine Kompetenzen nicht nur auf einen politischen Bereich erstrecken, sondern auf mehrere. Er könnte sich zum Beispiel noch mehr für „Unsere Demokratie“ einsetzen, indem er die Vergabe öffentlicher Ausschreibungen des Programms „Demokratie leben!“ genauer überprüft und dadurch Steuergelder spart. Damit können noch mehr solche Projekte wie „Queer im dualen System, Vernetzung, Handlungskompetenz und Impulse für ein heteronormativitätskritische betriebliche Praxis“ oder „Blended Learning für den Durchblick: Rechtsextreme Unterwanderung im Natur-, Klima- und Umweltschutz stoppen“ für weniger Geld entwickelt werden.

Mit dem ersparten Steuergeld könnte sich der nonbinäre KI-Minister mehr fürs Klima einsetzen, indem er gendersensible Hitzeschutzmaßnahmen oder Therapien zum besseren Umgang mit Klimaemotionen entwickelt.

Auch um die Gesundheit der Bürger könnte sich so ein KI-Minister aktiv kümmern. Indem er beispielsweise demokratiefreundliche Überzeugungsarbeit für die deutschlandweite Impfung mit dem Corona-Universalimpfstoff leistet, der ebenfalls frisch mit KI entwickelt wurde. Zwar haben an der Phase-I-Studie nur 39 „gesunde Freiwillige“ teilgenommen, aber das Präparat „sei sicher und gut verträglich gewesen“.

Im Bildungsbereich könnte der KI-Minister Lehrpläne optimieren. Geschichte könnte künftig in Echtzeit aktualisiert werden und Klassenarbeiten ließen sich automatisch an den jeweiligen gesellschaftlichen Konsens anpassen – ob Klima, Demokratie oder Vielfalt.

Irgendwann könnte dieser KI-Minister alle Bereiche übernehmen, sodass die restlichen Politiker sich ausschließlich dem „Kampf gegen Rechts“ widmen können, für den wir hierzulande weder genug Mittel noch Engagement haben.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Als Diella, Albaniens KI-Ministerin, angeklagt wurde, sagte sie bei ihrer Antrittsrede: „Ich möchte Sie daran erinnern, dass die wirkliche Gefahr für die Verfassung nie die Maschinen waren, sondern die unmenschlichen Entscheidungen der Machthaber.“ Auch diesen Fehler sollte Deutschland vermeiden und den KI-Minister so programmieren, dass er zum einen Verantwortung nicht umverteilt und zum anderen, in der Lage wäre, zwischen Impfstoff und Kartoffelsalat zuverlässig zu unterscheiden. Alles andere klärt dann das Verfassungsgericht.


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Bild: pexels.com

 

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