QUERBLICK

Feindbild statt Fakten: Wenn Ideologie den Blick auf den Gegner bestimmt

„Wer sich im Besitz der Wahrheit sieht, handelt irrational“

von Ekaterina Quehl | Juli 12, 2026 | Demokratie, Politik

"

Angriffe auf Journalisten, steigende linksextreme Gewalttaten und der Glaube an die eigene moralische Überlegenheit: Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera erklärt, weshalb Feindbilder tief im Menschen verankert sind und welche Rolle sie bei linksradikaler Gewalt spielen.

 

 


Bei den linken und linksextremen Protesten während des AfD-Parteitags in Erfurt wurden Reporter und Journalisten von „Junge Freiheit“ und „Apollo News“ gejagt, zusammengeschlagen und getreten. Sie wurden als „Faschisten“ diffamiert und anschließend noch selbst der Provokation beschuldigt. Im Gespräch mit dem Evolutionsbiologen Professor Ulrich Kutschera möchte ich einen Einblick in die wissenschaftliche Perspektive auf menschliche Aggressionen einer gesellschaftlichen Gruppe gegenüber einer anderen am Beispiel von „Antifa“ geben. Im Mittelpunkt stehen dabei die evolutionsbiologischen Ursachen von Tribalismus, eine starke Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe, Feindbilddenken und gruppenbezogener Gewalt.

 

Wie können Sie aus evolutionsbiologischer Sicht die Aggression und Gewalt einer Gruppe gegenüber Vertretern einer anderen Gruppe erklären?

Ulrich Kutschera: Aktuelle Studien an freilebenden Schimpansen-Populationen haben das bestätigt, was für Menschen lange bekannt war: Sozial organisierte, territoriale Herrentiere-Primaten verteidigen ihr Revier gegenüber „den Anderen“ – „Us-versus-Them“ (Wir gegen sie). Hierbei geht es meist um Nahrung und Paarungs-Partnerinnen. Beim Menschen spielen politische Ideologien eine ähnliche Rolle: „Wir Sozis gegen die Rechten“ lautet das Credo.

 

Was sagen Sie zu den Zielen der Antifa?

U. Kutschera: Nach Propagandamaterial der „Antifa“ wenden sich diese „Aktivisten“ gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus. Als international aktiver Evolutionsbiologe und Physiologe, der seit Jahrzehnten in der Grundlagenforschung tätig ist, und als Mitglied der Alexander von Humboldt-Stiftung, bin ich ebenfalls gegen diese menschenfeindlichen Ideologien. Allerdings argumentiere ich gegen diese „Ismen“ mit biowissenschaftlichen Argumenten. Die „Antifa“ ist hingegen eine faktenfreie Schlägertruppe.

 

Laut der aktuellen Statistik des Verfassungsschutzes ist die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um fast 40 Prozent gestiegen. Die Gewalttaten stiegen dabei erheblich. Womit ist ein solcher Anstieg der linksextremen Gewalttaten aus Ihrer Sicht verbunden?

U. Kutschera: Die sogenannten „Linken“ glauben, die moralisch Guten zu sein, sie ignorieren aber die Grundlagen des menschlichen Existenz-Konkurrenzdenkens: „Us versus Them“. Wer sich im Besitz der geglaubten Wahrheit sieht, handelt irrational, wie ein religiöser Fanatiker. Letztendlich geht es um akuten Bildungsmangel mit fatalen Folgen. Die „Linken“ lehnen meist auch Darwin und die Evolution ab – vermutlich, weil sie die dahinterstehende Populationsgenetik nicht verstehen.

 

Hatten Sie schon einmal als „umstrittener Biologe“ Kontakt mit diesen Damen und Herren?

U. Kutschera: Im Frühjahr 2019 habe ich eine Einladung von der AfD-Fraktion im Kieler Landtag angenommen und dort zum Thema „Gender-Ideologie“ einen Fachvortrag (siehe den Links unten) gehalten. Damals glaubte ich noch an „Unsere Demokratie“. Das heißt, ich nahm an, ein durch Hunderte von Forschungsarbeiten qualifizierter Wissenschaftler könne unbehelligt zu einem Thema der „Mann-Frau-Frage“ reden. Das war naiv. Bereits am Bahnhof wurde ich von der Polizei und Antifa abgefangen. Ein junger Antifant bezeichnete mich öffentlich als „Nazi“. Ich sagte zum Polizeibeamten: „Anzeige – ich bin ein „Anti-Hitlerist“, kein Nazi“. Wir gingen in das Bahnhofs-Polizei Office, wo ich schriftlich Anzeige erstattete. Hierbei konnte ich einige Antifanten sprechen und beobachten. Es sind bemitleidenswerte Gestalten.

 

Warum haben Sie Mitleid mit den aggressiven Antifa-Querulanten bzw. Linksradikalen? 

U. Kutschera: Der junge Antifant konnte auf Nachfrage der Polizei keinen klaren Satz aussprechen. Seine draußen wartende Meute grölte herum –  wohlstandsverwahrloste Kinder, links-grün indoktriniert, die vermutlich nie gearbeitet haben, ohne Lebensziel, wie Affen im Zoo vom Sozialstaat gepäppelt. Armselig! Ein Dokument des gesellschaftlichen Niedergangs – natürlich muss die Bevölkerung vor diesen Personen geschützt werden.

 

Wie ging Ihr Rechtsstreit mit der Kieler Antifa aus? Mit einer Gerichtsverhandlung? 

U. Kutschera: Ich erhielt dann später das Protokoll von der Kieler Polizei, mit der Frage, ob ich Anzeige wegen Beleidigung stellen möchte. Da ich ein tolerant-weltoffener Biologe bin – ohne Brandmauern in irgendeine Richtung – und die psychologischen Hintergründe der Antifanten kenne, habe ich keinen Strafantrag gestellt und die Sache eingestellt. Mit Leuten, die keine Ahnung von den evolutionsbiologischen Grundlagen des Menschseins haben, kann ich nicht vor Gericht verhandeln. Erst wenn in Deutschland der wirtschaftliche Zusammenbruch mit Bürgerkrieg kommt, wird sich das Antifa-Problem von alleine lösen.

 

Warum neigt der Mensch überhaupt dazu, die Welt in „wir“ (die Guten) und „sie“ (die Bösen) einzuteilen? Ist es ein sogenannter Tribalismus, also eine starke Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe, ein evolutionäres Erbe, das heute noch unser politisches Verhalten prägt?

U. Kutschera: Mensch und Schimpanse sind vor ca. 7 Millionen Jahren aus einer afrikanischen Urform hervorgegangen – Sahelanthropus. Wir haben uns zu Savannenbewohnern entwickelt, unsere „behaarten Brüder und Schwestern“ sind im Urwald geblieben. Das an ein Siedlungsgebiet gebundene Gruppen-Dasein ist ein Erbe der Human-Evolution. Bei Urvölkern ist dieses „Wir-gegen-die Anderen“-Prinzip noch heute überlebenswichtig. In der „zivilisierten Welt“ klingt dieser archaische Tribalismus bis heute nach, gerade auch in der Politik. Denken Sie an Frau Dr. Alice Weidel, die immer Fakten-basiert argumentiert, aber von ihrer „Außengruppe“, den AfD-Hassern, wie eine Staatsfeindin behandelt wird!

 

Ich danke Professor Ulrich Kutschera herzlich für das interessante Interview und möchte es mit dem Kommentar eines Lesers zu meinem Post über die Angriffe auf Journalisten beenden. Er zeigt, dass sich manche wissenschaftlichen Erklärungsansätze auch in den alltäglichen Beobachtungen vieler Menschen wiederfinden:

„Wird das für die linksextremen Geisterjäger nicht langsam mühsam? Stets sind sie auf der nervenaufreibenden Suche nach „Nahzis“ und finden dabei nur immer vernünftige arbeitende Normalbürger“.

 

 

Prof. Dr. Ulrich Kutschera ist ein in Deutschland und den USA tätiger Evolutionsbiologe, Buchautor und Musikproduzent.

 


Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat und Sie meine Arbeit unterstützen möchten, danke ich Ihnen von Herzen.
Sie können dazu meine Kontoverbindung nutzen:
DE68100101780855450004 oder PayPal.

Bild: Screenshot Youtube

 

Teilen auf Ihren Kanälen:

ZUM BLOGANFANG

Leseempfehlung

„Gewalt ist eine Straftat“ in einfacher Sprache

Newsletter abonnieren

Neue Beiträge direkt in Ihr Postfach.

* Ja, ich möchte über Neue Beiträge von querblick.blog per E-Mail informiert werden. Die Einwilligung kann jederzeit per Abmeldelink im Newsletter widerrufen werden. Wir senden keinen Spam. Datenschutzerklärung.

Kommentieren auf meinen Kanälen:

Aktuelle Beiträge

Demonstration in Stuttgart, Germany with protest signs and flags under a clear blue sky.

Politik, Demokratie

„Nie wieder ist jetzt“ 2.0

Ekaterina Quehl

9. September 2026

Die originalen Orte der NS-Verbrechen verfallen, während im Namen des Gedenkens eine mit Steuermillionen alimentierte Infrastruktur aus NGOs, Politik, Bildung und Co. das bekämpft, was heute als „damals“ gilt.

weiterlesen

Politik, Demokratie

Niedersachsen verschiebt die Verfassungstreueprüfung auf Wahlausschüsse

Gastautor

7. September 2026

Die Niedersächsische Landesregierung schafft eine neue Möglichkeit staatlicher Vorprüfung politischer Kandidaten und verschiebt damit Macht von der Wahlentscheidung und der unabhängigen Verfassungsgerichtsbarkeit hin zur Exekutive. Von Boris Blaha.

weiterlesen

Kriminalität, Migration, Top

„Gewalt ist eine Straftat“ in einfacher Sprache

Ekaterina Quehl

4. September 2026

Zwei aktuelle Vergewaltigungen zeigen wieder einmal das Ausmaß der Naivität und Verdrängung hierzulande. Einerseits wird dabei Migranten in einfacher Sprache erklärt, dass Gewalt schlecht und strafbar sei, andererseits traut man ihnen aber zu, Sozialhilfe und Staatsbürgerschaft zu beantragen und gegen eigene Asylverfahren zu klagen. Wo liegt der Fehler?

weiterlesen