Deutschland feiert Pride Month, hisst LGBTQ-Fahnen und schmückt Rathäuser in Regenbogenfarben. Gleichzeitig fördert der Staat das Narrativ, queere Vielfalt gehöre ganz selbstverständlich zum Islam. Was passiert, wenn die Realität dazwischenkommt
Juni ist Pride Month und die ganze LGBTQ-Szene feiert ihr buntes Dasein im öffentlichen Leben. Christopher Street Day, Partys, Straßenfeste, Drag-Shows, Coming-out-Kampagnen und Podiumsdiskussionen – viele Wochen wird Vielfalt zelebriert – flächendeckend und unübersehbar.
Der Staat feiert kräftig mit. Kommunen hissen Regenbogenflaggen vor Rathäusern, Ministerien veröffentlichen Grußbotschaften, Behörden schmücken ihre Logos in Regenbogenfarben, öffentliche Einrichtungen beteiligen sich an Aktionswochen, Universitäten organisieren Diversity-Programme.
Dabei drängt sich schon lange eine Frage auf: Wie soll die gesamte Diversity-Bewegung mit dem wachsenden Einfluss des Islam in Deutschland dauerhaft koexistieren? Und was wird passieren, wenn das eintritt, was sich seit Jahren abzeichnet – nämlich dass islamische Wertvorstellungen zunehmend politischen Einfluss gewinnen und zwei Weltbilder aufeinanderprallen, die miteinander nicht vereinbar sind? Denn die Regierung scheint beide Entwicklungen im gleichen Maße zu fördern.
Die muslimischen Zeitungen in Deutschland wie Islamische Zeitung, IslamIQ oder Qantara sind in ihrer Berichterstattung auffällig zurückhaltend. Die Suche nach aktuellen Berichten zum Pride Month ergab keine Ergebnisse. In den Social Media verbreiten muslimische Influencer Posts, die klar zum Ausdruck bringen, dass Homosexualität im Islam „haram“, also eine Sünde, sei und verboten gehöre. Die islamische Medien-Plattform 5pillarsuk.com (5 Säulen), die in Großbritannien ansässig ist, veröffentlichte A practical guide for Muslims on how to navigate LGBTQ Pride month (Einen praktischen Leitfaden für Muslime zum Umgang mit dem LGBTQ-Pride-Monat), der die bunte Diversity als eine der schlimmsten Herausforderungen darstellt, vor denen muslimische Familien stehen. Der Leitfaden beinhaltet Auszüge aus dem Koran, moralische Argumentationen sowie Empfehlungen für Eltern und Gemeinden,damit sie den Pride Month besser überstehen können.
Und was macht Deutschland? Statt sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, was passiert, wenn zwei Welten aufeinanderprallen und die deutsche Gesellschaft die Folgen ausleben muss, spielt der Staat auf der einen Seite ein verliebtes Einhorn und versucht auf der anderen, ein Narrativ zu kreieren, wonach Homosexualität und bunte Diversity ganz normale Werte im Islam seien, die zwar noch Diskriminierung erfahren, aber durchaus Teil der muslimischen Community seien.
So fördert die Regierung im Rahmen des inzwischen von allen so beliebten Programms „Demokratie leben!“ eine „progressive und inklusive“ Moschee in Berlin, die sich als „Anlaufstelle für Islam und Diversity“ für queere Muslime positioniert, die von ihren „Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern“ diskriminiert werden.
„Muslimisch und queer? Ja, natürlich! Die Anlaufstelle für Islam & Diversity (AID) ist ein Leuchtturmprojekt für sexuelle Vielfalt im Islam. Wir bieten Unterstützung für queere Muslim*innen an, die wegen ihrer sexuellen Identität vor Herausforderungen gestellt sind.“
Ein ebenfalls gefördertes Projekt „Liebe ist halal“ vermittelt die Idee, dass es „keine Rechtfertigung dafür“ gebe, „gleichberechtigte und aufrichtige Liebe zwischen zwei Menschen zu verbieten. Auch keine islamische.“
„Egal, ob du Männer oder Frauen liebst, zu welchem Geschlecht du dich zugehörig fühlst oder wie du dich kleidest: eine Liebe ist erlaubt. Diese Akzeptanz fordern wir mit der Kampagne ein und geben Liebe ein halal-Zertifikat.“
Auf den Seiten des „liebe-ist-halal“-Portals finden sich – Überraschung – unter anderem die Gesichter von Kai Wegner, Sven Lehmann (Queer-Beauftragter der Bundesregierung), Tessa Ganserer, Klaus Lederer sowie anderer deutscher Politiker, die freudig vermitteln, dass die Liebe keine Religion und keine Hautfarbe kennt.
Selbst das Bundesamt für Verfassungsschutz verzerrt in seinem Bericht „Queerfeindlichkeit im Islamismus“ das Bild der Akzeptanz von Homosexualität, indem es ausschließlich auf deren Sanktionierung in islamisch-konservativen, islamistischen und salafistischen Kreisen eingeht.
„In Staaten/Herrschaftsordnungen mit konservativ-islamischer beziehungsweise islamistischer Gesetzgebung wird diese bis heute repressiv verfolgt und bis hin zur Anwendung der Todesstrafe sanktioniert. Liberal-islamische Gemeinden betonen dagegen, dass die islamischen Texte nicht als Verbot von Homo- und Transsexualität zu interpretieren seien.“
Parallel zu den Bemühungen, das Bild der „Queerfeindlichkeit“ im Islam abzumildern, arbeitet die Regierung aktiv an der gesellschaftlichen Akzeptanz des Islam. Abgesehen von der Ramadan-Beleuchtung an den Fußgängerzonen von Großstädten, öffentlichen-rechtlichen Sensibilisierungs-Kampagnen, islamischem Religionsunterricht an deutschen Schulen, fördert der Staat Projekte wie Claim. Sie haben zum Ziel, „die Gesellschaft gegen die Ausgrenzung von Muslim*innen, gegen Intoleranz, Diskriminierung – gegen antimuslimischen Rassismus sowie gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit“ zu mobilisieren.
„CLAIM dokumentiert bundesweit Vorfälle von Islam- und Muslimfeindlichkeit und antimuslimischem Rassismus. Wir sensibilisieren, vernetzen und unterstützen bundesweit Zivilgesellschaft und Verwaltung. Wir setzen Entwicklungen, die das Gemeinwohl Deutschlands und Europa gefährden, Information und Prävention entgegen.“
Fördersumme für 2025: 625.000,00 Euro, für 2026: 624.997,44 Euro.
Liebe ist etwas Schönes, und es sei jedem gegönnt, sie so auszuleben, wie er möchte – solange er anderen nicht vorschreibt, wie sie ihre auszuleben haben. Doch im Islam gilt Homosexualität nun einmal als „haram“. Und egal, wie hoch die Fördersummen der Regierung sind oder wie viele „Halal-Zertifikate“ sie verteilt – aus einer Sünde wird dadurch kein glückliches Einhorn. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir erleben, was passiert, wenn diese beiden Weltbilder in unserem Land tatsächlich aufeinanderprallen. Friedlich dürfte dieser Zusammenstoß wohl kaum werden, und man muss kein Hellseher sein, um zu verstehen, wer am Ende dominieren wird.






