Als Menschen anfingen, Steckenpferde zu reiten, schüttelten viele den Kopf. Als sie begannen, mit Luft an der Leine Gassi zu gehen, wuchsen die Zweifel. Was jetzt kommt, macht es schwer, die eigene Wahrnehmung noch ernst zu nehmen.
Diejenigen, die mit der Realität nicht klarkommen und sich immer mehr von ihr entfernen möchten, müssen nicht unbedingt in digitale oder virtuelle Welten flüchten. Die Entfremdung von der realen Welt funktioniert auch perfekt analog.
Zum Beispiel mit Hobby-Horsing und Hobby-Dogging.
Beim Hobby-Horsing besteigen die Hobby-Reiter ein Steckenpferd und tun so, als ob sie ein lebendes Pferd reiten. Dabei pflegen die Herrchen und Frauchen ihre Stoff-Lieblinge voller Ernst wie echte Pferde, geben ihnen Namen und kaufen für sie in den eigens dafür eingerichteten Shops Ställe, Seilsets, Halfter, Ohrenklappen und sogar Pferdeäpfel (aus Filz, 10,95 Euro für 5 Stück), um realitätsnahes Zäumen oder Ausmisten zu erleben. Wer sein Hobby auf eine professionelle Ebene bringen möchte, kann Mitglied in einem der vielen Hobby-Horsing-Verbände oder -Gemeinschaften werden.
Beim Hobby-Gassi geht es darum, so zu tun, als ob man im Besitz eines Hundes ist. Dazu muss man nicht einmal einen „Stecken-Hund“ haben, es reichen einfach eine Leine und die Vorstellung von einem Hund. Also Luft an der Leine. Wie sich die „Luft an der Leine“ beim Hobby-Dogging verhält, hängt von der Vorstellungskraft der Herrchen ab. Und wenn sie für ein realitätsnahes Erlebnis eines Gassi-Gehens nicht reicht, kann man sich gerne zu dem Hobby-Dogging-Kurs „Haltung, Gassi-Routine oder Leinen-Kontrolle“ anmelden.
Wer jetzt denkt, die Grenzen des kollektiven Wahnsinns sind erreicht, liegt falsch. Die nächsten Stufen sind Hobby-Biking und Hobby-Rally.
Beim Ersteren geht es darum, mit einem halben Fahrrad durch die Gegend zu rennen, kein Sattel, kein Lenker – nur Vorderrad. Und natürlich ein Helm. „Kommt vorbei und testet die Zukunft des Radfahrens – mit eingebautem Rückenwind!“ wirbt ein Fahrrad-Geschäft für seine neuen Modelle.
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Beim zweiten geht es um das Auto-Fahren – richtig geraten! – ohne Auto. Hierfür reichen vier Autoreifen und ein loses Lenkrad. Ein Fahrer hält es in den Händen und tut so, als würde er ein Auto fahren. Für den Fall, dass er sich mal verfahren sollte, zeigt ihm sein Beifahrer, der eine Karte in den Händen hält, den richtigen Weg.
Ob man wissen möchte, was als Nächstes kommt, weiß man nicht so richtig. Aber ein Blick auf die zahlreichen Kommentare in sozialen Netzwerken zeigt, dass sich der Eskapismus von der realen Welt noch in Grenzen hält. Das macht zumindest Hoffnung.






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