Zehn Prozent der 20- bis 24-Jährigen sind weder in Ausbildung noch in Beschäftigung. Parallel boomt das akademische Angebot in Gender und Diversity. Projekte wie Kink-Shaming, kritisches Weißsein oder Dragging – ein Blick auf das aktuelle Studienangebot.
Laut dem aktuellen Bericht des Statistischen Bundesamts sind 10 Prozent der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland weder in Ausbildung noch in Beschäftigung. Der Anteil ist damit seit 2022, als er noch bei 8,8 Prozent lag, kontinuierlich gestiegen. Ein Viertel dieser jungen Menschen ist arbeitssuchend, während zwei Drittel dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht zur Verfügung stehen. Als Gründe werden unter anderem Betreuungspflichten, gesundheitliche Einschränkungen sowie die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz genannt. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Bericht von SPIEGEL „Abi, Uni. Arbeitslos. Noch nie waren so viele junge Akademiker arbeitslos.“, der leider hinter der Zahlschranke steht. Aber die Grundproblematik ist bereits in der Überschrift auf den Punkt gebracht.
Ein Leser auf X hat diesen Bericht sinngemäß mit der ironischen Frage kommentiert, ob denn Unternehmen heute keine „Studierenden_*“ gebrauchen können, die „Laberfächer“ studieren. Was er konkret mit „Laberfächer“ meint, bleibt ihm überlassen. Es ist aber Anlass genug, um einen Blick auf das aktuelle Studienangebot im Bereich Sozial-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften zu werfen. Neben der klassischen Sozialen Arbeit kann man auf dem Portal studieren.de aktuell in 20 Studiengängen an 14 Hochschulen Gender-Studies studieren. Die Suche mit dem Wort „Diversity“ ergibt 200 Studiengänge an 95 Hochschulen, mit dem Wort „Migration“ 204 Studiengänge an 104 Hochschulen. Sogar Queer-Studies kann man inzwischen an der Universtität Viadrina in Frankfurt (Oder) studieren:
„In Ihrem Studium können Sie inhaltliche Schwerpunkte setzen, z. B. in den Themenfeldern Migration und Grenzen, Kapitalismus und soziale Ungleichheit, Gender- und Queer-Studies, ökologische Krisen oder Rassismus, Nationalismus und Autoritarismus.“
Das „Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien“ an der Humboldt-Universität zu Berlin bietet den Master-Studiengang Geschlechterstudien an, in dem man „vertieftes analytisches Verständnis von Gender als Kategorie in Hinblick auf deren funktionale Komplexität, sich historisch wandelnde Konstruktionen, Vermittlungsformen und Wirkungsweisen“ akademisch entwickeln kann.
Diversitäts- und intersektionalitätsorientierte Programme gibt es beispielsweise an der Universität Göttingen (B.A. Geschlechterforschung), an der Universität Freiburg (Gender Studies), an der Hochschule Rhein-Waal (B.A. Gender and Diversity), an der Freien Universität Berlin (M.A. Gender, Intersektionalität und Politik) und an der Universität Köln (M.A. Gender & Queer Studies). Sozialwissenschaftliche Diversitätsforschung kann man an der Universität Göttingen, Migration und Diversität an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel studieren.
Inhaltlich sind diese Studiengänge entsprechend gefüllt und bieten eine Bandbreite an beruflichen Perspektiven in „Öffentlichen Verwaltungen, internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Politikberatung, Unternehmensberatung, Stiftungen, Verbänden, Erwachsenenbildung und politischer Bildung, Medien oder dem Verlagswesen.“
Kritisches Weißsein, Kink-Shaming und Hexen
Wirft man einen Blick in einzelne Projekte innerhalb mancher Studiengänge, so finden sich dort einige „interessante“ Beispiele. So liefen im M. A. Gender und Queer Studies an der Universität Köln Projekte wie „Kritisches Weißsein bei den Studierenden der UzK“, deren Ziel es war, herauszufinden: „wie sich Weißsein bei weißen Studierenden an der Universität zu Köln im Hochschulkontext manifestiert und inwiefern Studierende zur Re-/Dekonstruktion von Rassismus beitragen.“
Ein richtig herausragendes Projekt scheint das „In the makink(s). Ein queer feministisches Zine über Kink“ zu sein.
„Kink Shaming, Pathologisierungen und Stigmatisierungen von kinky Menschen sind weitverbreitete Probleme in unserer Gesellschaft. Durch einen partizipatorischen Ansatz, d.h. die Beiträge im Zine stammen von Menschen aus der kinky Szene/Community, versuchen wir mit den Vorurteilen aufzuräumen, somit zu einem breiteren Verständnis und mehr Akzeptanz für das Thema beizutragen und neugierige Menschen beim Entdecken ihrer Sexualität und/oder Körperlichkeit zu empowern.“
Am Kulturwissenschaftlichen Institut der HU Berlin lief im Mai 2026 eine Konferenz „The Colours of Kink“, die sich den „Diskursverschiebungen rund um Kink, BDSM und verwandten Praktiken im Spannungsfeld von Devianz und kulturellem Mainstream“ widmete.
„Im Zentrum steht die Frage, wie sich Bedeutungen von Devianz transformieren, normalisieren und zugleich neu codieren, wenn ehemals marginalisierte sexuelle Ausdrucksformen ästhetisch, therapeutisch, spirituell oder popkulturell integriert werden.“
Wer nicht weiß, was Kink ist, kann sich hier die Erklärung des queerpolitischen Sprechers und MdB (die Linke) Maik Brückner anhören (und anschauen).
Im Rahmen der Geschlechterstudies – ebenfalls an der Humboldt-Universität zu Berlin – durften die „Student*Innen“ an einem Seminar „Hexen. Perspektiven auf ein Phänomen (weiblicher?) Fremdzuschreibung und Wiederaneignung“ teilnehmen.
An der Otto-Friedrich-Universität Bamberg lief eine „BritCult Conference“ – „Join us for Re-Orientating Gender (Studies): Feminism, Queerness, Trans* in Cultural Studies Today“ (zu Deutsch: „Seien Sie dabei bei „Neuorientierung Gender (Studies): Feminismus, Queerness, Trans* in Cultural Studies Today“).
Akademisches „Dragging“
Auch das Thema Dragqueens ist aus dem akademischen Bereich wohl nicht mehr wegzudenken. An der Universtität Bielefeld durfte man im Sommersemester 2025 am Kurs Drag(g)in(g) History teilnehmen. Hier konnten sich die Studenten fragen, „wie Drag in der Kunst, in Film und Fernsehen verhandelt wird“:
„„Drag“ wird hier als ein Spiel mit Signifikanten verstanden, das sich meist auf Gender bezieht, sich aber auch auf andere Differenzkategorien (class, race) übertragen lässt. Als Form der Übertreibung weist Drag eine Nähe zu den ästhetischen Kategorien des Kitsch und Camp auf.“
An der Universität Bielefeld durfte man im Sommersemester 2025 am Kurs Drag(g)in(g) History teilnehmen.
„Das Projekt vereint Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Kontexten und Perspektiven zu Drag als einer Praxis, die queere Gemeinschaften und Gegenräume schafft. Durch performative Lesungen und multimediale Elemente wird die Veranstaltung selbst zu einem verkörperten queeren Gegenarchiv.“
An der Technischen Hochschule Wildau fand der Online-Workshop „Don’t panic – How to perform (like a drag king) at university?“ statt, bei dem die „Teilnehmenden lernten, was Drag theoretisch bedeutet, konnten aber auch ganz praktisch ausprobieren, was Drag (in der Arbeitswelt und für die eigene Karriere) bewirken kann – und vor allem auch, wie Drag als Kunst im Studien- und Arbeitsalltag Resilienz fördern kann.“ Geleitet wurde der Workshop von Drag Artist Caine Panik.
Ein Leser hat die offensichtliche akademische Vorliebe zu solchen Gender- und Diversity-Studies kommentiert: „Wer Maschinenbau studiert, wird später das BIP steigern, weil er wertsteigernd ist. Wer Gendern studiert, belastet nur den Steuerzahler und erzeugt keinen Mehrwert.“ Interessant wäre die Frage, wie hoch bei so einem breiten akademischen Angebot die Zahl der Absolventen solcher Studiengänge tatsächlich ist. Denn es ist äußerst zweifelhaft, dass Absolventen, die über Kinkshaming, Dragging und Hexen lernen, Werte schaffen können, die das BIP steigern, die Wirtschaft ankurbeln und den Steuerzahler entlasten.
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Bild: KI ChatGPT






