QUERBLICK

Ein kurzer Ausflug aus der Realität im Deutschland des Jahres 2026

Keipensterben und Einsamkeit gefährden „Unseredemokratie“

Juni 5, 2026 | Demokratie, Gesellschaft

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Dass die Hüter der „Unseredemokratie“ sich mit „echten“ Problemen Deutschlands wie Toilettenparität oder „Diskriminierung durch Algorithmen“ beschäftigen, ist nicht zu übersehen. Nur manchmal versagen innere Abwehrkräfte, solche Nachrichten als Irrsinn zu ignorieren.

 

Wer an diesen Tagen mehrere große Medien hintereinander öffnete, konnte sich des Eindrucks kaum erwehren, versehentlich in der Pressestelle einer geschlossenen Anstalt oder im internen Rundschreiben einer offenen Psychiatrie gelandet zu sein. Das ist an sich nichts mehr Überraschendes – dieses Gefühl haben bei der täglichen Nachrichtenlektüre inzwischen viele. Und kritische Journalisten sind Kummer gewohnt, einzelne „Unseredemokratie“-Nachrichten auf gesunden Menschenverstand zu testen und einen Bezug zur Realität wiederherzustellen. Doch irgendwann häufen sich die Meldungen so sehr, dass selbst dieser Gewöhnungseffekt versagt.

Und je größer die tatsächlichen Probleme Deutschlands sind, desto stärker scheint auch der Verdrängungsmechanismus der „Unseredemokraten“ zu sein. Deren wahre Sorgen drehen sich nicht etwa um Wirtschaftskrise, Migrationsproblem, marode Infrastruktur, fehlendes Personal in Schulen, Krankenhäusern und Apotheken, Wohnungsnot, steigende Sozialausgaben, Energiepreise, Meinungsfreiheit, die Überlastung vieler Kommunen oder die importierte Gewalt im öffentlichen Raum. Auf dem Weg zur Realität scheinen die „Unseredemokraten“ und ihre Berichterstatter regelmäßig irgendwo falsch abzubiegen – als ob ein erheblicher Teil des öffentlichen Diskurses sich darauf verständigt hätte, die wahren Zustände in unserem Land nur noch aus sicherer Entfernung zu betrachten.

Hier nun ein kleiner Überblick über einige der Sorgen und Bedrohungslagen, die die „Unseredemokraten“ derzeit beschäftigen.

 

„Kneipensterben gefährdet unsere Demokratie!“

Da in Deutschland immer mehr Kneipen schließen, warnt ein Forscher nicht etwa vor den zunehmenden Problemen des Kleinunternehmertums und der Mittelschicht. Sein geübtes Auge hat offensichtlich einen Zusammenhang zwischen schließenden Lokalen und einer Bedrohung für „Unseredemokratie“ herausgefunden. Die Logik: Früher konnten Holger, Dieter und Gisela einen eigenen Begegnungsraum aufsuchen, in dem sie sich über „den fehlenden Radweg, das Freibad, das schließt oder die Frage, was im Ort gerade passiert“ austauschen. Und da es immer weniger solcher Räume gibt, drohen Holger, Dieter und Gisela offenbar in die politische Radikalisierung abzurutschen.

„Kneipen sind Infrastruktur gegen Polarisierung. Dort begegnen sich Menschen, die sonst wenig miteinander zu tun haben, und sprechen über konkrete Alltagsprobleme“.

 

„Einsamkeit kann unsere Demokratie gefährden“

Aus der vorherigen Nachricht ergibt sich beinahe zwangsläufig die nächste, in der eine Forscherin vor einer weiteren Gefahr für „Unseredemokratie“ warnt: Einsamkeit.

Einsamkeit ist schlecht und könne sogar negative Folgen für die Gesundheit haben – das ist klar. Doch es gebe eine „ganz neue Forschung, die deute, dass Einsamkeit Menschen anfälliger machen könnte für Verschwörungserzählungen oder auch für eine politische Extremisierung. Wenn sich das so bestätigt, dann zeigt das nochmal, dass Einsamkeit auch für unsere Demokratie gefährlich ist.“

Wie verkommt nun ein einsamer Mensch zu einem bösen Extremisten?

„Wenn man sich lange einsam fühlt, entwickeln viele ein Misstrauen gegenüber anderen Menschen“, erklärt die Forscherin. „Es fällt ihnen schwerer, sich auf andere einzulassen, sich anderen anzuvertrauen. Und dieses Misstrauen wird dann manchmal generalisiert – auf die Gesellschaft als Ganzes. Und wenn ich mit so einem allgemeinen Misstrauen durch die Welt gehe, macht mich das natürlich anfälliger für zum Beispiel eben politisch extreme Richtungen oder Gruppierungen.“

Die Bekämpfung der Einsamkeit sei eine „gesamtgesellschaftliche Herausforderung“. Was bedeute, dass „jeder Player mitmachen muss: Bildungssystem, Schulen, Hochschulen und das Gesundheitssystem sind genauso in der Verantwortung. Um zum Beispiel stark vereinsamte Menschen zu identifizieren.“

 

Alte Männlichkeitsbilder gefährden „Unseredemokratie“

Am stärksten mit den Gefahren für „Unseredemokratie“ scheinen sich die Grünen zu beschäftigen.

Sie haben offensichtlich die wahre Bedrohung der freien Welt herausgefunden: Den Mann.

Auf der Veranstaltung „Wann ist ein Mann ein Mann? Wie die Rückkehr alter Männlichkeitsbilder unsere Demokratie herausfordert“ warnen „Expert*innen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft“ vor sogenannter „Manosphere, in der traditionelle männliche Rollenbilder propagiert werden“.

„Aktuelle Studien zeigen, dass sich insbesondere junge Männer verstärkt autoritären und rechtspopulistischen Positionen zuwenden. Antifeminismus und traditionelle Geschlechterrollen werden dabei gezielt als politische Mobilisierungsstrategie genutzt.“

Immerhin schreiben die „Expert*innen“ Männer nicht komplett als Teil der Gesellschaft ab: „Fortschritte bei Gleichberechtigung, Vereinbarkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt können nur gemeinsam mit Männern erreicht werden.“, schreiben sie. Es brauche positive Vorbilder für Männer und Jungen, die Verantwortung, Fürsorge, emotionale Offenheit und Partnerschaftlichkeit nicht als Verlust, sondern als Gewinn verstehen.

 



 

„Wie Hitzewellen die deutsche Wirtschaft in die Knie zwingen“

Wer bisher glaubte, Deutschlands wirtschaftliche Probleme hätten etwas mit hohen Energiepreisen, Rekordabgaben, Bürokratie etc. zu tun, lag falsch. Der wahre Grund laut einer neuesten Analyse, die es in die Schlagzeilen großer Medien schaffte, ist – raten Sie mal – die Hitzewellen.

Die Logik: Extreme Hitze sei längst kein Wetterphänomen mehr, sondern ein „struktureller wirtschaftlicher Schock“. Steige die Temperatur über 30 Grad und klettere anschließend um ein weiteres Grad nach oben, sinke die Produktivität um drei Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um 1,2 Prozent pro Grad. „Unterm Strich verliert die deutsche Wirtschaft damit laut der Hochrechnung der Analysten 112,5 Milliarden Euro bis 2030.“ Deshalb sei es wichtig, auf den Klimawandel adäquat zu reagieren. „Die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel sind mittlerweile zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik, die weit über den Umweltbereich hinausgehen“.

Das wäre alles nicht so traurig, wenn die Experten gelegentlich bei der Realität vorbeischauen würden. Dann würden sie sich an die Temperaturen der letzten Sommer erinnern (Durchschnittstemperatur im Sommer 2025: 18,3 Grad Celsius) und bei der Ursachenforschung vielleicht auch andere Gründe finden. Zum Beispiel enorme Abgaben, endlose Genehmigungsverfahren oder fehlendes Personal.

 

„Speisekarten auf Deutsch sollten Pflicht sein!“

Der nächste Irrsinn kommt direkt aus der Berliner Gastronomie. Dort wird inzwischen ernsthaft darüber diskutiert, ob Speisekarten künftig verpflichtend in der Sprache angeboten werden sollen, die hierzulande als Landessprache gilt: Auf Deutsch.

Es reicht nämlich nicht, dass in manchen Lokalen das Personal gar kein Deutsch kann und sich mit den Gästen auf Englisch verständigt. Jetzt werden in einigen Cafés und Restaurants die Speisekarten ebenfalls nur noch auf Englisch angeboten. So können sich deren Gäste zusätzlich interkulturell öffnen, indem ihnen die Möglichkeit vollständig verwehrt wird, in ihrer Muttersprache eine Bestellung aufzugeben.

Nach all dem bleibt eigentlich nur die Erkenntnis, dass alle größten Probleme Deutschlands offenbar gelöst sind oder zumindest ausreichend öffentlich diskutiert werden. Man kann nur hoffen, dass niemand demnächst herausfindet, dass zu wenig Zimmerpflanzen in Büros die Innovationskraft Deutschlands gefährden oder ungleich verteilte Schattenplätze im Sommer soziale Spannungen verschärfen. Sonst kann es wirklich ernst werden.

 


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Bild: pexels.com

 

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