QUERBLICK

Immer weniger Arbeitskräfte sprechen Deutsch

Deutsche Sprache wird zur Nebensache

von Ekaterina Quehl | Sep. 1, 2026 | Gesellschaft

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Immer mehr Menschen arbeiten in Deutschland, ohne die deutsche Sprache ausreichend zu beherrschen. Die Folge – Fehler, schlechter Service und mangelnde Qualität. Doch die Politik versucht, die fehlende Verständigung immer mehr auf Arbeitgeber selbst zu verlagern.

 


Die neueste Meldung der Berliner Polizei offenbart massive Defizite bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs. „Im vergangenen Jahr waren bei 1.224 Ausbildungsplätzen nur 936 Nachwuchskräfte eingestellt worden.“, so die Polizeipräsidentin Barbara Slowik. Das liege aber nicht an der Anzahl der Bewerber, sondern vor allem am Bildungsniveau. Dei Bewerber können den hohen Anforderungen der Polizei nicht nachkommen. „Die Polizei habe hohe Anforderungen, die sich nicht senken könne, so deren Präsidentin. Vor allem der Deutschtest, mit Diktat und Grammatikteil, bleibt ein Problem. Rund 40 Prozent scheitern daran – und das obwohl die Polizei längst Übungsdiktate auf Youtube hochlädt und mit weiteren Social-Media-Clips auf die mehrstufige Aufnahmeprüfung vorbereitet.“

Wie lange die Polizei die Anforderungen an ausreichende Deutschkenntnisse noch nicht senken können wird, ist eine gute Frage. Denn in anderen Berufsfeldern ist das Problem genauso präsent, und viele Arbeitgeber geben bereits nach und stellen systematisch auch Arbeitskräfte ohne ausreichende Deutschkenntnisse ein. Gerade im Gesundheitssektor ist das Problem präsent.

 

Fehler und verzögerte Behandlung bei Ärzten

Das Portal Berliner Ärzt:innen der Berliner Ärztekammer (hier und weiter Gendern übernommen) veröffentlichte im April 2026 einen Beitrag, in dem die wachsende Problematik mit schlechten Deutschkenntnissen anhand konkreter Beispiele geschildert wird, die bestätigen, „dass ein Defizit in der deutschen Sprache auf Seiten der Ärzt:innen zu verzögerter Behandlung, falschen Anordnungen und/oder Missverständnissen führte. In einigen Fällen hat die geringe klinische und praktische Erfahrung das Auftreten von Fehlern zusätzlich begünstigt.“

Das Deutsche Ärzteblatt thematisiert ausdrücklich das Problem des Spracherwerbs bei ausländischen Pflegekräften, auf die Deutschland inzwischen regelrecht angewiesen ist: „Bei sprachlichen Schwierigkeiten wird häufig automatisch die Kompetenz infrage gestellt“. Der Spracherwerb ende nicht mit dem Erwerb des B2-Zertifikats, das eine selbstständige Sprachverwendung bescheinigt. Wichtig sei zudem, von Anfang an einen Fokus auf Fachsprache zu legen und frühzeitig in den Teams zu sensibilisieren, damit sie bestmöglich unterstützen könnten.

 

Deutscher Arbeitsmarkt macht es schwer? 

Das Portal Persoblogger veröffentlicht Ergebnisse einer Umfrage, nach der 77 % der Befragten trotz Sprachlücke sofort starten würden, „doch deutscher Arbeitsmarkt macht es schwer.“ „Auch viele Befragte mit B1/B2 – also dem Level, das viele Arbeitgeber offiziell verlangen – fühlen sich sprachlich nicht gewappnet für den Arbeitsmarkt. Das zeigt: Der Eintritt in den Arbeitsmarkt scheitert schon vor dem Bewerbungsprozess, noch bevor alle Qualifikationen überhaupt berücksichtigt werden.“

Tatsächlich wird aber seit Jahren immer mehr sichtbar, dass der deutsche Arbeitsmarkt es nicht mehr wirklich schwer macht. Der Personalmangel ist inzwischen so groß, dass Öffentlicher Dienst und der private Sektor immer mehr Abstriche bei Deutschkenntnissen machen. Als ich nach meinem Studium (vor 15 Jahren) im öffentlichen Dienst arbeitete, wurden schon damals Sachbearbeiter im Sozialbereich angestellt, die kaum Deutsch sprachen. Wie sie mit all den komplexen Paragraphen aus den Sozialgesetzbüchern klarkamen, die selbst für deutsche Muttersprachler kompliziert sind, bleibt für mich bis jetzt ein Rätsel. Ich möchte auch nicht wissen, wie viele Fehler sie bei der Auszahlung von Sozialleistungen gemacht haben und wie viele Steuergelder dabei umsonst ausgegeben wurden.

Eine Bekannte, die in der Gastronomie tätig ist, berichtet, dass sich bei ihrem Arbeitgeber immer wieder Menschen bewerben, die überhaupt kein Deutsch sprechen. Sie werden dann auch teilweise angestellt, weil in der Gastronomie überall Personalmangel herrscht. Die Bekannte berichtete von falsch aufgenommenen Bestellungen, massiven Problemen im Austausch mit Kollegen und Kunden und sogar bei der Bedienung der Kasse. Einige Restaurants bemühen sich inzwischen nicht einmal mehr um ein Menü in der deutschen Sprache und erwarten von ihren Klienten automatisch, dass sie Englisch sprechen müssen.

In der Hotellerie herrscht das gleiche Problem. An den Rezeptionen vieler Hotels geht man auch automatisch davon aus, dass Hotelgäste Englisch sprechen, weil das Personal einfach kein Deutsch kann – was ich auch selbst mehrfach erlebt habe.

Im Öffentlichen Verkehr ist die Situation ähnlich. Immer häufiger können Busfahrer kaum oder gar kein Deutsch, was sogar zur Folge haben kann, dass sie falsche Routen fahren, wie neulich ein Freund von mir erzählt hat. Der Fahrer eines Busses fuhr einfach eine falsche Route und konnte sich auf die Frage eines Passagiers nach dem „Warum“ nicht erklären, weil er kein Deutsch sprach.

Folgen der mangelnden Deutschkenntnisse wie Ärztefehler, falsch ausgezahlte Sozialhilfen, falsche Routen im öffentlichen Verkehr, falsche Bestellungen in Restaurants oder einfach ein inkompetenter Umgang mit der eigenen Kundschaft sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Und statt zu akzeptieren, dass man nun mal die Sprache des Landes lernen muss, wenn man hier leben und arbeiten möchte – was im Übrigen einige Ausländer tatsächlich machen –  suchen die Gastgeber selbst immer wieder nach Lösungswegen, wie man Bewerber auch mit schlechtem Deutsch auf den Arbeitsmarkt bringen könnte.

 

Problem auf Arbeitgeber verlagert

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) „Deutschkenntnisse und Arbeitsmarktintegration“ beklagt, dass „die Hälfte der Betriebe bei Einstellungen mindestens ein B2-Sprachniveau“ fordert.

„Rund 44 Prozent dieser Einwanderungswilligen, aber auch 51 Prozent der bereits in Deutschland lebenden Befragten, sehen fehlende Deutschkenntnisse als wesentliches Hindernis, das sie davon abhalten könnte oder hätte abhalten können, nach Deutschland zu kommen und dort zu arbeiten. In Deutschland nennen neu Zugewanderte fehlende Deutschkenntnisse zudem als größtes Problem im Alltag (65 %) und bei der Jobsuche (54 %).“

Die Erwartungshaltung von Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter die Sprache des Landes sprechen müssen, in dem sie auch arbeiten wollen, ist selbstverständlich. Viele Arbeitgeber machen auch jetzt schon Abstriche. Auch gibt es unzählige, teils kostenlose, teils geförderte Angebote, Deutsch zu lernen. Es sollte also nicht daran scheitern. Doch stattdessen wird das Problem auf Arbeitgeber verlagert, wenn Akteure wie das IAB, das bei der Bundesagentur für Arbeit angesiedelt ist, Druck auf sie ausüben, auch Mitarbeiter mit mangelnden Deutschkenntnissen anzustellen.

„Die betriebliche Haltung gegenüber Personen mit unzureichenden Deutschkenntnissen steht auch im Zusammenhang mit den Möglichkeiten und der Wirksamkeit arbeitsmarktpolitischer Instrumente. Zum Beispiel richtete sich der „Jobturbo des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten“ direkt an die Betriebe, um zu appellieren, verstärkt Personen mit nur grundständigen Deutschkenntnissen einzustellen“.

Deutschland hat in vielen Bereichen Personalmangel. Aber daraus darf nicht die Vorstellung entstehen, dass deshalb die Sprache des Landes zur Nebensache werden soll. Und die Tatsache, dass es in der Politik immer weniger selbstverständlich wird, dass Menschen, die hier leben und arbeiten wollen, auch Deutsch sprechen sollen, hat zur Folge, dass Verständigung, Verlässlichkeit, Qualität der Arbeit und ein funktionierender öffentlicher Alltag überhaupt immer weniger möglich werden.


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Bild: KI ChatGPT

 

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